JÄGERVEREIN BAD KISSINGEN 1927 e.V.

Pflichthegeschau 2018: Bad Kissingens Jägerverein bekämpft den Artenschwund

Das Aussterben vieler Insekten und der übermäßige Schwarzwildbestand waren Themen bei der Mitgliederversammlung der Jäger.

Ein Besucher betrachtet die Trophäen der öffentlichen Hegeschau. Sigismund von Dobschütz

Jahresberichte und Fachvorträge standen nach der öffentlichen Hegeschau im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung des seit 1927 bestehenden Jägervereins Bad Kissingen. Der diesjährige Tätigkeitsschwerpunkt des "ältesten Naturschutzverein Bayerns", wie Vorsitzender Dr. Helmut Fischer den Jagdverband nannte, soll sich dem "alarmierenden Artenschwund" widmen, weshalb sich die Jäger des Altlandkreises auch am Langzeitprojekt Grüngitter beteiligen werden.

Als Leiter der für die Durchführung des Projekts Grüngitter verantwortlichen Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt erläuterte Roland Lenhart der im Gasthof Vogler versammelten Jägerschaft die Planungsdaten. Ab Oktober sollen in den kommenden fünf Jahren landkreisweit auf insgesamt 500 Hektar durch landschaftspflegerische Maßnahmen natürliche Lebensräume für die im Bestand bedrohten Bienen und andere Insekten geschaffen werden. "Manchmal glaubt man, das Gänseblümchen sei der Feind des Menschen", meinte Lenhart angesichts des oft widernatürlichen Handelns und forderte alle Gartenbesitzer zur Teilnahme auf: "Mit Naturschutz kann man auf dem eigenen Grundstück anfangen."

Insgesamt 1,4 Millionen Euro wollen die Projektträger, eine Arbeitsgemeinschaft aus einem Dutzend kommunaler Allianzen und Naturschutzverbänden, in ihre zu 75 Prozent vom Bayerischen Naturschutzfonds geförderten Maßnahmen zur Steigerung der Artenvielfalt investieren. Nicht nur Wiesenflächen sollen künftig von Kunstdünger frei bleiben, auch Feldbegrenzungen, kleinere Grünstreifen oder Wegbegrünung in privatem wie kommunalem Eigentum sollen "insektenfreundlich gepflegt" und vor allem seltener gemäht werden.


"Beim Kampf gegen das Artensterben sind auch wir Landwirte gefordert", stimmte Edgar Thomas in seinem Grußwort als Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, der sich ebenfalls am Projekt Grüngitter beteiligen wird, einer Zusammenarbeit mit der Jägerschaft zu. Gerade die Bauern mit ihren großen, landwirtschaftlich intensiv genutzten Ackerflächen würden häufig für das Artensterben und speziell das Insektensterben verantwortlich gemacht.

Auch gegen den übermäßigen Schwarzwildbestand will der Jägerverein weiter vorgehen, um die Verbissschäden in den heimischen Wäldern zu mindern. Mit seinem kurzen Video einer gewaltigen Wildschweinrotte beeindruckte Jagdberater Dr. Peter Gleißner sogar seine erfahrenen Jagdgenossen und forderte sie auf, die aufgehobene Schonzeit zum Abschuss der Wildschweine zu nutzen.

In seinem Grußwort hatte zuvor schon der stellvertretende Landrat Emil Müller auf das für den Landkreis erstellte Vegetationsgutachten als Richtlinie für eine angemessene Abschussplanung hingewiesen. Demnach konnten durch erhöhten Abschuss die Verbissschäden in den vergangenen drei Jahrzehnten um 75 Prozent verringert werden, weshalb die Untere Jagdbehörde auch weiterhin eine ganzjährige intensive Bejagung empfiehlt.

Dies gelte auch im Hinblick auf die momentan nur in Osteuropa auftretende Afrikanische Schweinepest, zu der Dr. Thomas Koy als Leiter des Bad Kissinger Veterinäramtes einige Informationen gab. Noch sei keine Gefahr gegeben, versicherte der Fachmann, doch sei der Landkreis bestens vorbereitet: Ein Koordinierungskreis im Landratsamt sei gebildet und das Personal entsprechend geschult worden. Da der bayerische Schwarzwildbestand völlig gesund ist, warnte Emil Müller vor unnötiger Panikmache und forderte angesichts notwendiger Abschusssteigerung alle Gastronomen und Verbraucher auf, sich nach dem Motto "Bio-Fleisch aus unserer Natur" ganz bewusst für heimisches Wildschwein zu entscheiden.

(Quelle Artikel von: Sigismund von Dobschütz Veröffentlicht von: Saale-Zeitung)

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